Der Heimatdichter Johann Friedrich Fichtendorff

Fichtendorff, Johann Friedrich

Der Heimatdichter Johann Friedrich Fichtendorff (eigentlich Fritz Birkle,1826 – 1852; später Spätromantiker, zu Lebzeiten unverstanden, vermutlich Freitod in der Willich; Hauptwerke: Wasser, lass! Meditationen über die Willich, Annersberg 1848; Oden an Annersberg – ein Reigen deutscher Lieder, Annersberg 1849; Herzlicht mein, Elegien für Clara Vahl – Spuren einer unerwiderten Liebe, Annersberg 1851.




Gruß an die Willich

Nicht welschen Wassers Flüsse,
Ihr Brausen nicht und ihr Getos
Du Bächlein bist es, das ich grüße
Dir einst ich anvertraut mein Los

Zum Abendschein oft komm ich her
An deinem Ufer denk ganz still ich
Im Abschied noch, wo komm ich her?
Wo geh’ ich hin? Zu dir, oh Willich!

Johann Friedrich Fichtendorff aus dem Band „Wasser, lass! Meditationen über die Willich”, Annersberg 1848.




Fichtendorff war das achte Kind des Fährmanns Christoph Birkle und das einzige, zu dem jener sich Zeit seines Lebens bekannte (allerdings erst nach ersten Erfolgen seines Sohnes als Dichter). Obwohl vom anderen Ufer der Willich, war Vater Birkle doch eine bedeutende Figur in der Geschichte Annersbergs. Nicht nur sein rein quantitativer Beitrag zur Bevölkerungsentwicklung, sondern natürlich auch die Vaterschaft für den größten Dichter, den Annersberg je hervorbrachte, zählt zu seinen Verdiensten. Angeblich nutzte Birkle die räumliche Trennung durch die Willich, die zu überbrücken ihm als Fährmann vorbehalten war, für allerlei amouröse Abenteuer mit den gebärfähigen Vertreterinnen der Annersberger Bevölkerung. Sein Sohn Friedrich wuchs in selbst für Annersberger Maßstäbe einfachen Verhältnissen auf. Im Sommer schlief der kleine Fritz hauptsächlich auf der Fähre seines Vaters und ernährte sich von den Fischen der Willich und den Wildfrüchten der Willicher Auenlandschaft. Sein Lebensschicksal und dichterisches Grundthema sind also eng mit der Annersberger Wasserstraße verbunden (vgl. Wasser, lass! Meditationen über die Willich, Annersberg 1848).

Eine Wanderung im Jahre 1842 durchs große Gemauhle eröffnete für Fichtendorff, wie er sich von da an nannte, das Lebensthema der geistigen Orientierungslosigkeit und führte bei ihm zum Entschluss, Dichter zu werden. Eine Tätigkeit als Dorfschullehrer sollte er nach kurzer Zeit wieder aufgeben, da die robuste Struktur der Dorfjugend sich als unvereinbar mit der sensiblen Dichterseele erwies – Fichtendorff musste sich bisweilen sogar mit den Erzeugnissen der heimischen Landwirtschaft bewerfen lassen. Als tragisches Thema für Fichtendorff, doch als Glücksfall für die Annersberger Literaturgeschichte (die ohne Fichtendorff praktisch inexistent geblieben wäre), erwies sich seine lebenslang unerwiderte Liebe zur Krämerstochter Clara Vahl (vgl. Herzlicht mein; Elegien für Clara Vahl – Spuren einer unerwiderten Liebe, Annersberg 1851).

Der historische „Clara Balkon”, unter dem viele von Fichtendorffs Elegien entstanden, kann immer noch besichtigt werden – im ehemaligen Krämerhaus befindet sich heute die „Pension Clara”. Vermutlich führte diese unerwiderte Liebe, vielleicht auch das damalige Unverständnis seiner Zeitgenossen für Fichtendorffs dichterisches Werk zu seinem Freitod in der Willich am 15. April 1852. Da die Willich an der Stelle, wo der Leichnam des Dichters gefunden wurde, jedoch nur etwa 10 Zentimeter Wasser führt (die heutige „Entenbank”), bietet sein Tod bis heute Raum für Spekulationen (vgl. „Selbsttötung und die Folgen – das romantische Momentum bei Johann Friedrich Fichtendorff”, Irrmann et. al., Dumborn, Annersberg 1979).

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